Kunsttherapie und TIST – wenn Sicherheit Schritt für Schritt wieder erfahrbar wird
Manchmal fehlen die Worte für das, was im Inneren geschieht. Gefühle sind schwer einzuordnen, der Körper reagiert mit Anspannung, Rückzug oder innerer Unruhe, obwohl der Verstand weiß, dass die Situation eigentlich sicher ist.Aber der Evrstand hat nicht mehr die Kontrolle!
Gerade nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen speichert unser Nervensystem Erlebtes nicht nur als Erinnerung, sondern auch als Körperempfindungen, Emotionen und Schutzreaktionen. Kunsttherapie kann dabei helfen, diesen inneren Erfahrungen auf behutsame Weise zu begegnen – ohne alles sofort in Worte fassen zu müssen.
Was ist Kunsttherapie?
Kunsttherapie ist eine kreative und ressourcenorientierte Methode, die Menschen dabei unterstützt, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Dabei geht es nicht darum, besonders kreativ oder künstlerisch begabt zu sein. Vielmehr bietet das Gestalten einen anderen Zugang zum eigenen Erleben.
Farben, Formen und verschiedene Materialien können Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen ausdrücken – oft dort, wo Worte fehlen oder nicht ausreichen.
Das entstandene Bild wird nicht bewertet. Es dient vielmehr als Ausgangspunkt für ein gemeinsames Verstehen, neue Perspektiven und die Stärkung eigener Ressourcen.
Was bedeutet TIST?
In meiner Arbeit ergänze ich die Kunsttherapie unter anderem durch Elemente aus TIST von Janina Fischer(Trauma-informed Stabilization Treatment).
TIST ist ein traumasensibler Ansatz, der davon ausgeht, dass unser Nervensystem nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen Schutzstrategien entwickelt. Daraus können verschiedene innere Anteile entstehen – beispielsweise ein vorsichtiger, kämpfender, süchtiger oder besonders fürsorglicher Anteil.
Diese Anteile sind keine Schwäche und auch nichts „verrücktes“. Sie haben sich entwickelt, um in einer extrem unsicheren und lebensbedrohlichen, schwierigen Zeit zu schützen und das Überleben zu sichern. Auch wenn ihre Reaktionen heute manchmal belastend erscheinen, verfolgen sie ursprünglich eine sinnvolle Absicht.
In der Begleitung geht es deshalb nicht darum, Anteile zu bekämpfen oder „loszuwerden“. Vielmehr werden sie mit Neugier, Respekt und Mitgefühl betrachtet. Gemeinsam erkunden wir, was sie brauchen und welche Ressourcen heute zur Verfügung stehen.
Wie lassen sich Kunsttherapie und TIST verbinden?
Kunsttherapie bietet einen besonders sanften Zugang zu inneren Erfahrungen. Bilder ermöglichen häufig einen Ausdruck für das, was sich nur schwer beschreiben lässt.
Farben, Formen und Symbole können helfen, Sicherheit, Belastung oder unterschiedliche innere Zustände sichtbar werden zu lassen. Im gemeinsamen Gespräch betrachten wir das entstandene Bild wertfrei und erkunden behutsam, was es erzählen möchte.
So entsteht Schritt für Schritt mehr Verständnis für das eigene Erleben – immer im individuellen Tempo und ohne Druck.
Ein Praxisbeispiel: Über Farben zur Annäherung an Sicherheit
Die folgende Übung ist eine von vielen Möglichkeiten, die ich in der kunsttherapeutischen Begleitung nutze. Welche Methode zum Einsatz kommt, richtet sich immer nach den individuellen Bedürfnissen, Ressourcen und Zielen des jeweiligen Menschen.
Viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen wissen mit dem Verstand, dass sie heute sicher sind. Das Nervensystem fühlt sich jedoch häufig noch so an, als wäre die Gefahr nicht vorbei. Sicherheit lässt sich deshalb nicht einfach erklären – sie darf Schritt für Schritt wieder erlebt werden.
Zu Beginn wählen wir gemeinsam Farben, die sich im Moment angenehm, beruhigend oder sicher anfühlen. Dabei gibt es keine allgemeingültige Bedeutung. Entscheidend ist allein die persönliche Wahrnehmung.
Mit diesen Farben entsteht zunächst ein Bild, das Sicherheit, Ruhe oder Stabilität ausdrücken darf. Nicht Perfektion steht im Mittelpunkt, sondern das Erleben während des Gestaltungsprozesses.
Erst wenn ausreichend Stabilität vorhanden ist, können weitere Farben, Formen oder Symbole hinzukommen, die belastende Gefühle oder innere Anteile ausdrücken.
Aus der Sicht von TIST wird dabei nicht gefragt: „Wie bekomme ich diesen Anteil weg?“ Vielmehr fragen wir: „Was braucht dieser Anteil heute, damit er sich ein kleines Stück sicherer fühlen kann?“
Das Bild wird so zu einem geschützten Erfahrungsraum. Sicherheit wird nicht nur besprochen, sondern über Farben, Kreativität und achtsames Erleben erfahrbar gemacht. Häufig entstehen dabei neue Erfahrungen von Selbstmitgefühl, Selbstwirksamkeit und innerer Verbundenheit.
Mein Verständnis von traumasensibler Begleitung
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Erfahrungen und seine Ressourcen mit. Deshalb gibt es in meiner Begleitung keine vorgegebenen Lösungen oder festen Abläufe.
Ich möchte einen geschützten Raum schaffen, in dem Sie in Ihrem eigenen Tempo ankommen dürfen. Einen Raum, in dem Gefühle, Gedanken und innere Reaktionen willkommen sind und nicht bewertet werden müssen.
Kunsttherapie und traumasensible Methoden wie TIST können dabei unterstützen, sich selbst besser zu verstehen, eigene Ressourcen zu stärken und nach und nach mehr Sicherheit und Verbindung mit sich selbst zu entwickeln.
Ego-States
Herausforderungen können sich auch gut mit der Ego-State methode und Kunsttherapie lösen. Hier sind die verschiedenen Ich-Zustände nicht aus traumatischen Erfahrungen entstanden . Denn jeder Mensch kennt unterschiedliche innere Seiten oder Ich-Zustände – zum Beispiel einen mutigen, einen kritischen, einen fürsorglichen oder einen verspielten Anteil des eigenen Erlebens.
Im Unterschied zu traumabedingten dissoziativen Strukturen sind diese Ich-Zustände jedoch nicht durch dissoziative Barrieren voneinander getrennt. Sie können miteinander in Kontakt treten und werden in der Regel als zusammengehörig erlebt.
Die Kunsttherapie bietet einen kreativen Zugang, diese verschiedenen Ich-Zustände kennenzulernen, ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und einen wertschätzenden inneren Dialog zu fördern.
Denn manchmal beginnt Veränderung nicht damit, dass alles anders wird. Sondern damit, dass wir lernen, uns selbst mit mehr Mitgefühl, Verständnis und Freundlichkeit zu begegnen.
Erwerb meiner Kunst & Unterstützung
Ich freue mich über jeden Einkauf in meinem Online-Shop – dort finden Sie unter anderem Originalbilder, Kunstdrucke, Impulskarten und weitere kreative Produkte.
Mit jedem Kauf unterstützen Sie gleichzeitig einen guten Zweck: Ein Teil der Erlöse fließt in die Finanzierung vergünstigter kunsttherapeutischer Angebote für Menschen, die sich diese Begleitung aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nur schwer leisten könnten. So tragen Sie dazu bei, dass Kunsttherapie für mehr Menschen zugänglich wird.
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